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Glücklicher Single oder Plattform-Digitalisierer?

5 Min. Lesezeit

Warum Single-Point-Solutions oft in eine strategische Sackgasse führen

Schnell, günstig, punktgenau: Das klingt nach der perfekten Antwort auf den Druck, den viele CIOs spüren. Wer heute einen spezifischen Prozess – z.B. in der Logistik – digitalisieren will, findet sofort Anbieter mit einer „Single-Point-Solution“, die genau dafür optimiert ist. Auf den ersten Blick ist das attraktiv – wie ein Sparbuch: einfach, solide, ohne großen Planungsaufwand. Was man hat, hat man. Doch genau hier liegt die Falle. Denn was wie ein cleverer Shortcut wirkt, entpuppt sich häufig als Sackgasse. Warum? Prozesse in Unternehmen existieren nie isoliert. Sie hängen zusammen, greifen ineinander, müssen Daten austauschen – nicht nur heute, sondern vor allem morgen. Ein Logistikprozess braucht eine mobile App für die Erfassung, ein Backend für die Datenverarbeitung, Integrationen in SAP, Schnittstellen zu Partnern, vielleicht sogar einen Workflow für Genehmigungen. Schon sind aus einem Use Case mehrere Anwendungen geworden, die mit einer Single-Point-Solution nur schwer oder gar nicht integriert werden können. Wer also nur auf das „eine schnelle Tool“ setzt, übersieht das große Ganze: die Notwendigkeit einer integrierten, zukunftssicheren Digitalisierungsstrategie.

Warum CIOs größer denken sollten

Bleiben wir einmal beim erwähnten Vergleich: Single-Point-Solutions sind wie ein Sparbuch – sicher, einfach, kurzfristig. Doch für eine nachhaltige „Finanzvorsorge“ braucht es einen umfassenden Plan, der alle Assets berücksichtigt. Langfristige Bausteine, kurzfristige, fixe, variable und so weiter. Genau das kann eine Low-Code-Plattform leisten: Sie schafft eine vernetzte Architektur, in der Prozesse flexibel orchestriert und nahtlos integriert werden können. Hier mal ein Beispiel aus der Praxis: Viele Unternehmen setzen im Vertrieb auf Lösungen, die darauf spezialisiert sind, Leads und Opportunities effizient zu managen und hervorragende CRM-Funktionalitäten zu bieten. Isoliert betrachtet eine super smarte Lösung! Der Vertrieb lebt aber nicht allein von CRM-Daten. Damit ein Sales-Prozess wirklich End-to-End funktioniert, braucht es in der Regel Informationen aus SAP oder anderen Systemen: Preis- und Konditionsdaten, Lagerbestände & Verfügbarkeiten, Liefertermine aus der Produktionsplanung, Rechnungsstatus & Zahlungsinformationen etc. Genau an dieser Stelle wird es komplex: Die Spezialdienstleister bringen zwar meist auch Standardkonnektoren zu SAP mit, doch diese sind unter Umständen teuer (Premium-Lizenzen), limitiert in der Tiefe (nur bestimmte Objekte) und mit laufenden Transaktionskosten verbunden. Das Ergebnis: Vertriebsteams sehen zwar CRM-Daten, müssen aber ständig zwischen den Systemen springen, um einen Deal wirklich zu qualifizieren oder ein Angebot zu erstellen. Prozesse laufen also mehr oder weniger fragmentiert und sind voller Medienbrüche. Eventuell leidet auch die Datenkonsistenz, weil Informationen in verschiedenen Systemen verteilt sind. Zusätzliche Schnittstellenprojekte und Middleware-Lizenzen treiben die TCO dann in die Höhe.

Wann sind Single-Point-Solutions wahrscheinlich sinnvoll?

  • Wenn es ein sehr klar abgrenzbarer Use Case ist und es um eine einzige Funktion geht (z.B. Zeiterfassung, Reisekostenabrechnung, Vertragsmanagement), die weder tiefe SAP-Integration noch komplexe Prozessketten benötigt.
  • Wenn eine Express-Einführung wichtig ist: Speziallösungen sind oft „plug & play“ – gerade im Mittelstand manchmal ein Vorteil.
  • Wenn Best Practices des Marktes ausreichen: Viele Single-Point-Lösungen bilden Standardprozesse bereits perfekt ab, ohne dass viel angepasst werden muss.
  • Wenn Budget und Scope klein sind: Für eine Abteilung oder einen Pilotprozess kann eine spezialisierte Lösung kosteneffizient sein.

Wann lohnt sich der Einsatz einer Low-Code-Plattform?

  • Wenn Integration entscheidend ist: Sobald ein Prozess mehrere Systeme (z.B. SAP, Salesforce, MES, Datenbanken) berührt, ist eine Plattform deutlich überlegen, was Effizienz und Konsistenz betrifft.
  • Wenn viele Anwendungsfälle anstehen: CIOs, die nicht nur ein Problem lösen, sondern Dutzende Prozesse modernisieren wollen, profitieren natürlich immer auch von Skaleneffekten.
  • Wenn Governance & Clean Core wichtig sind: Eine Plattform erlaubt moderne, zukunftssichere Side-by-Side-Entwicklung ohne das SAP-System zu „verbasteln“.
  • Wenn eine langfristige Architektur im Fokus steht: Wer Fragmentierung vermeiden will, setzt auf eine Plattform, die alle Anwendungen konsistent und wartbar macht und eine zentrale Governance ermöglicht.
  • Wenn der ROI über mehrere Jahre entscheidend ist: Single-Point-Solutions können in der Masse teuer werden – Plattformen bieten bessere TCO bei wachsendem Bedarf.

Kurz gesagt: Für punktuelle Probleme ist eine Single-Point-Solution oft der pragmatische Fair Deal. Für unternehmensweite Digitalisierungsthemen und nachhaltige IT-Architekturen führt an einer Plattform kein Weg vorbei.

Und weil ja alle kosteneffizient arbeiten wollen …

Im schlimmsten Fall kommt die Kosten-Keule bei Single-Point-Solutions erst im laufenden Betrieb: Kann zum Beispiel sein, dass jede Erweiterung extra kostet – ob es um neue Module, neue Schnittstellen oder neue Lizenzen geht. Kann auch sein, dass lästige Silos entstehen, wenn Fachbereiche Anwendungen haben, die nicht miteinander sprechen. Und häufig ist eine strategische Skalierung eher schwierig, denn was für den einen Use Case passt, bricht beim dritten oder fünften Prozess auseinander. Und: Man ist wie beim Sparbuch bei der Bank immer abhängig von der Kundenfreundlichkeit, Geschäftspolitik und Produktpflege eines einzigen Anbieters, der die Konditionen definiert (Fall Sparbuch) oder die digitale Agenda diktiert (Fall Single-Point-Solution).

Digitalisierung mit Weitblick

Eine Low-Code-Plattform wie Simplifier verfolgt einen anderen Ansatz:

  • Multi-Experience statt Punktlösung: Prozesse können Ende-zu-Ende gedacht und umgesetzt werden – mobil, webbasiert, integriert.
  • Re-use statt Redundanz: Einmal entwickelte Bausteine können in Dutzenden Apps wiederverwendet werden.
  • Nahtlose Integration: Egal ob SAP, Non-SAP, Cloud oder On-Premise – alle Systeme lassen sich anbinden.
  • Clean Core by Design: Die SAP-Transformation wird nicht ausgebremst, sondern unterstützt.

Statt Einzelteile zu kaufen, bekommt man mit einer Plattform einen Baukasten für die gesamte Digitalisierungsstrategie. Oder anders gesagt: Eine Single-Point-Solution ist wie besagtes Sparbuch: leicht verständlich, kurzfristig sicher, aber langfristig eine angreifbare, weil wenig offene Strategie. Das Gegenteil davon wäre ein gut diversifiziertes Finanz- beziehungsweise Digitalisierungs-Portfolio. Bei dem investiert man nicht nur in eine Einzellösung, sondern in das nachhaltige Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren. Klar, die Aufgabe eines CIOs mag unter anderem sein, den nächsten Use Case in Rekordzeit abzuhaken. Die Aufgabe ist aber mit Sicherheit auch, eine skalierbare, zukunftssichere Digitalisierungsstrategie aufzubauen, die Geschwindigkeit und Stabilität gleichermaßen ermöglicht. Single-Point-Solutions liefern schnelle Siege für bestimmte Anforderungen und sind für manche Unternehmen immer noch der erste wichtige Schritt in Richtung Prozessdigitalisierung. Aber was ist dann mit den nächsten tausend Schritten?

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