Steigende Preise verraten mehr über Angst als über Innovation
SaaS wird teurer, und plötzlich wächst die Unsicherheit. Wer aktuell SaaS-Lösungen im Einsatz hat – ob im Low-Code-Umfeld oder darüber hinaus – spürt es bereits: Vertragsverlängerungen werden teurer, Modelle werden komplexer und die Begründungen dafür bleiben oft vage. Doch das ist kein Zufall, sondern eher ein Symptom eines Marktes im Umbruch.
Ein Blick auf die Realität: SaaS dreht an der Preisschraube
Aktuelle Analysen zeigen ein klares Bild:
- Rund 34 % aller SaaS-Tools haben ihre Preise erhöht (SaaS Price Pulse)
- In vielen Fällen gibt es Preiserhöhungen mit drastischen Sprüngen (teilweise über 100 %) (SaaS Price Pulse)
- Die durchschnittlichen jährlichen Preiserhöhungen liegen bei etwa 8–10 %, bei KI-bezogenen Angeboten sogar deutlich höher (Medium)
- Gleichzeitig berichten Studien, dass Preiserhöhungen zunehmend Wachstum ersetzen (Chargebee)
Man könnte diese Entwicklungen so interpretieren: Wachstum entsteht offenbar nicht mehr primär durch Innovation bei den digitalen Leistungen, sondern durch Monetarisierung bestehender Kunden.
Der eigentliche Treiber: KI verändert die Spielregeln radikal
Die gesamte Softwareindustrie steht unter massivem Druck durch KI: KI wird zum zentralen Budgetposten in Unternehmen (TechRadar). Gleichzeitig entstehen Szenarien, in denen KI klassische Software teilweise ersetzt (MoneyWeek). Investoren sprechen bereits offen von einer möglichen „SaaSpocalypse“ (The Times of India). Oder weniger dramatisch formuliert: Software ist nicht mehr automatisch ein knappes Gut, sondern scheinbar überall „to go“ verfügbar. Damit wird Entwicklung auch vermeintlich günstiger, beziehungsweise verliert ihren ursprünglichen Wert als Spezialdisziplin in der IT, was wiederum die Differenzierung von Lösungsanbietern im Markt immer schwieriger macht. Unter dem „Wir werfen alles in einen Topf“-Reflex hatten ja in den letzten Jahren schon Low-Code-Anbieter gelitten: Nein, Low-Code ist nicht Programmierung für Dummys. Nein, damit können Fachbereiche nicht ohne Weiteres zu Anwendungsentwicklern mutieren.
Die unbequeme Wahrheit:
Viele Preiserhöhungen sind ein Abwehrmechanismus
Wenn man die Entwicklungen zusammenführt, ergibt sich ein klares Muster:
- AI reduziert langfristig den Bedarf an klassischen Software-Lizenzen
- Budgets werden in Richtung AI umgeschichtet
- Wachstum verlangsamt sich
Und was passiert? Anbieter erhöhen ihre Preise, bevor es zu spät ist. Teilweise sprechen Branchenanalysen davon, dass ein erheblicher Teil des Wachstums der letzten Jahre nicht durch neue Kunden, sondern durch Preisanpassungen entstanden ist (SaaStr). Das ist kein sehr nachhaltiges Modell, sondern eine kurzfristige Absicherung von Marktanteilen.
Was das für Kunden bedeutet
Für Unternehmen entsteht daraus ein neues Risiko, das oft unterschätzt wird:
- Planungsunsicherheit: Preismodelle werden dynamischer, komplexer und schwer kalkulierbar.
- Abhängigkeit steigt: Wer tief integriert ist, kann schwer wechseln – und wird quasi ganz automatisch zum „Bestandskunden mit Aufschlag“.
- Investitionen verlieren Stabilität: Was heute kalkulierbar scheint, kann morgen neu bepreist werden.
Stabilität wird zum strategischen Faktor
Früher war entscheidend, welche Lösung die Funktionalste und Beste für den jeweiligen strategischen Anforderungskatalog eines Unternehmens ist. Heute wird zunehmend relevant, welcher Anbieter wohl langfristig der Verlässlichste und Zukunftssicherste ist. In einem Markt, der sich gerade massiv neu sortiert, gewinnt eben nicht nur die beste Technologie, sondern auch die stabilste Beziehung. Ein zentraler Faktor wird bei der Partnerauswahl aber immer noch gerne übersehen: Wer trifft eigentlich die Entscheidungen über Preise und Strategie? Viele SaaS-Anbieter sind Investor getrieben, wachstumsgetrieben und oft auch exit-getrieben. Das führt zwangsläufig zu aggressiver Preispolitik, kurzfristigen Optimierungen und plötzlichen strategischen Richtungswechseln.
Der Gegenentwurf: Kontinuität statt kurzfristige Optimierung
Natürlich gibt es auch im SaaS- und PaaS-Anbieter-Dschungel Unternehmen, die eigentümergeführt sind, unabhängig entscheiden können und langfristig denken. Für diese Player sind Preise meist kein Instrument zur ausschließlichen Gewinnmaximierung, sondern Teil einer stabilen Kundenbeziehung. Und solche stabilen Beziehungen sind gerade im flüchtigen Markt digitaler Lösungen immer gefragter. Gerade im Kontext von Hosting „made in Germany“, klarer Datenhoheit und langfristiger Produktstrategie entsteht für viele Unternehmen hier etwas, das aktuell ohnehin rar ist: Planungsssicherheit.
Der wahre Wettbewerb beginnt jetzt
Die KI-Revolution wird Software nicht einfach ersetzen, sondern eruptiv verändern – auch was Entscheidungen für System- und Software-Anbieter betrifft. Bisher akzeptierte Preislogiken, etablierte Geschäftsmodelle und Erwartungshaltungen stehen fast schon unfreiwillig auf dem Prüfstand. Die KI legt schonungslos offen, welche Anbieter echten Mehrwert und Fortschritt im Sinne eines nachhaltigen Kundenerfolgs liefern und welche primär von ihrem bestehenden Kundenstamm und dessen geringer Wechselbereitschaft leben.
Verständlicherweise ist das Verharren vieler Unternehmen in bestehenden Verträgen und Geschäftsbeziehungen auch eine Reaktion auf intransparente Marktentwicklungen und Angebote. Aber in einem Marktumfeld, in dem ohnehin alles unsicher ist, überbrückt das Abwarten nur die Zeit zur nächstfälligen Entscheidung:
- Was tun, wenn bislang genutzte Tools zur Prozessdigitalisierung nicht mehr unterstützt oder sogar eingestellt werden?
- Wie werden gezielt die richtigen KI-Anwendungen in die dafür geeigneten Prozesse integriert?
- Welche neuen Partnerschaften kann man noch guten Gewissens schließen, ohne wieder in Abhängigkeiten zu geraten?
Und so weiter und so fort. Fakt ist: In einer Welt, in der sich alles beschleunigt, wird Stabilität plötzlich zum Wettbewerbsvorteil – und darauf kann man bei der Anbieterauswahl gezielt achten.

5min Checkliste
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