Shopfloor-Digitalisierung neu gedacht

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Wie Unternehmen ihre Produktion wirklich effizienter machen

Shopfloor-Digitalisierung gilt als eine der anspruchsvollsten Aufgaben der industriellen Transformation.
Denn kaum ein Bereich im Unternehmen vereint so viele unterschiedliche Anforderungen:

  • Maschinen und Anlagen verschiedener Generationen
  • heterogene IT-Systeme wie ERP, MES oder Datenbanken
  • hohe Anforderungen an Mobilität und Usability direkt an der Linie
  • komplexe, oft sehr spezifische Produktionsprozesse

Viele Unternehmen setzen deshalb zunächst auf die Standardfunktionen ihrer bestehenden Systeme – etwa im ERP- oder SAP-Umfeld. Doch gerade am Shopfloor zeigt sich schnell: Standardlösungen stoßen hier häufig an ihre Grenzen.

Individuelle Prozessanforderungen, Integrationsaufwand und lange Entwicklungszyklen führen dazu, dass viele Digitalisierungsprojekte langsamer vorankommen als geplant oder gar nicht erst umgesetzt werden.

Dabei liegt gerade in der Produktion ein enormes Potenzial.

Der unterschätzte Hebel: Prozessdigitalisierung statt neuer Maschinen

In vielen Fertigungsunternehmen liegt die Overall Equipment Effectiveness (OEE) im Durchschnitt zwischen 60 und 65 Prozent. World-Class-Produktion hingegen erreicht Werte von 85 Prozent und mehr. Der Unterschied entsteht häufig nicht durch neue Maschinen, sondern durch bessere Prozesse, schnellere Reaktionszeiten und mehr Transparenz.

Schon eine Steigerung der OEE von 65 % auf 75 % kann den Output um über 15 % erhöhen – ohne zusätzliche Linien oder Schichten. Ein Beispiel verdeutlicht die wirtschaftliche Dimension:

Bei einer Fertigung mit drei Produktionslinien und Opportunitätskosten von rund 500 € pro Stunde kann eine Verbesserung um 10 Prozentpunkte OEE einen zusätzlichen Deckungsbeitrag von etwa 2 Millionen Euro pro Jahr ermöglichen. Der Schlüssel dazu liegt in einer systematischen Digitalisierung der Shopfloor-Prozesse.

Warum Shopfloor-Digitalisierung so schwierig ist

Der Grund liegt selten in fehlenden Daten. Die meisten Produktionsumgebungen verfügen bereits über eine Vielzahl von Informationsquellen: ERP-Systeme wie SAP oder andere Unternehmenslösungen, Maschinensteuerungen und Sensorik, Excel-Listen und manuelle Dokumentation, MES- oder IoT-Systeme Das eigentliche Problem ist vielmehr die Fragmentierung dieser Informationen: Daten liegen in verschiedenen Systemen vor, Prozesse werden teilweise manuell gesteuert und Verbesserungsmaßnahmen lassen sich nur schwer systematisch auswerten. In vielen Unternehmen entsteht dadurch ein typisches Bild:
viel Reporting – aber wenig operative Steuerbarkeit.

Der Plattformansatz: Digitalisierung als durchgängiger Prozess

Eine effektive Shopfloor-Digitalisierung erfordert daher mehr als einzelne Anwendungen oder isolierte Automatisierungslösungen. Entscheidend ist eine Plattform, die Prozesse, Systeme und Daten miteinander verbindet. Hier setzt die Digitalisierungsplattform Simplifier an. Sie ermöglicht es Unternehmen, Shopfloor-Prozesse schnell zu digitalisieren und gleichzeitig ihre bestehende Systemlandschaft einzubinden.

Integration heterogener Produktionssysteme

Eine der größten Herausforderungen in Produktionsumgebungen ist die Vielzahl unterschiedlicher Systeme und Schnittstellen. Simplifier verbindet diese Welten:

  • Integration gängiger ERP-Systeme wie SAP, Sage, ABAS, Dynamics oder Oracle NetSuite
  • Anbindung von Maschinen über IIoT-Gateways oder PLC-Adapter
  • Vereinheitlichung unterschiedlicher Maschinenschnittstellen
  • Integration von Cloud-Services und Datenplattformen

Damit entsteht eine durchgängige Datenbasis für Produktionsprozesse.

Schnelle Umsetzung durch Low-Code

Ein entscheidender Erfolgsfaktor für Shopfloor-Projekte ist die Geschwindigkeit der Umsetzung. Mit Low-Code-Technologie lassen sich Anwendungen fünf- bis zehnmal schneller entwickeln als mit klassischer Programmierung. Statt komplexem Code kommen visuelle Entwicklungswerkzeuge und Prozessmodellierung zum Einsatz. Dadurch können auch Fachbereiche aktiv in die Weiterentwicklung von Anwendungen eingebunden werden. Das reduziert Abhängigkeiten von externen Entwicklungsressourcen und erhöht die Flexibilität der Organisation.

Transparenz und kontinuierliche Verbesserung

Neben der Datenerfassung spielt die Analyse eine zentrale Rolle für die Prozessoptimierung. Simplifier unterstützt Unternehmen dabei mit Funktionen wie:

  • Echtzeit-Pareto-Analysen zur Identifikation von Produktionsverlusten
  • Integration des PDCA-Zyklus (Plan–Do–Check–Act)
  • Unterstützung von Lean-Methoden wie KATA oder Hoshin Kanri

Dadurch lassen sich Verbesserungsmaßnahmen systematisch umsetzen und deren Wirkung messbar machen.

Von der Pilotphase zum Rollout

Erfolgreiche Shopfloor-Digitalisierung folgt in der Regel einem klar strukturierten Vorgehen:

  1. Analyse und Bewertung der bestehenden Prozesse
  2. Pilotprojekte für ausgewählte Use Cases
  3. Skalierung erfolgreicher Lösungen auf weitere Produktionsbereiche

Simplifier unterstützt diesen Ansatz durch Best-Practice-Templates, Schulungsprogramme und ein strukturiertes Implementierungsmodell. In vielen Projekten zeigt sich dabei ein schneller wirtschaftlicher Effekt:
Die Amortisationszeit für Shopfloor-Digitalisierung liegt häufig bei nur drei bis sechs Monaten.

Praxisbeispiel aus der Industrie

Wie dieser Ansatz in der Praxis funktioniert, zeigt unter anderem der Maschinenhersteller Hako. Dort wurden papierbasierte Prozesse in der Produktion schrittweise durch digitale Anwendungen ersetzt. Der Fokus lag dabei nicht nur auf der Ablösung manueller Dokumentation, sondern auf der Schaffung einer skalierbaren Plattform für zukünftige Prozessdigitalisierung. Lesen Sie hierzu auch Artikel im Industrieanzeiger und in Digital Manufacturing.

Fazit: Digitalisierung am Shopfloor neu denken

Shopfloor-Digitalisierung ist komplex – aber ihr wirtschaftliches Potenzial ist enorm. Unternehmen, die ihre Produktionsprozesse systematisch digitalisieren, können nicht nur Transparenz schaffen, sondern ihre Effizienz nachhaltig steigern. Mit einer Plattformstrategie lassen sich Integrationsaufwand reduzieren, Entwicklungszyklen verkürzen und kontinuierliche Verbesserungsprozesse unterstützen. Damit wird aus einzelnen Digitalisierungsprojekten eine skalierbare Grundlage für die Produktion der Zukunft.

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